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 Fistische Gedanken zum Schamanismus

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FIST
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BeitragThema: Fistische Gedanken zum Schamanismus   Sa März 29, 2008 4:34 am

Hi Ihrsens

hm, was mich manchmal wundert... Schamanismus kann ja eigentlich nur aus einem Persönlichen Erleben schöpfen, is ja grundsätzlich mit eigener Erfahrung verbunden, und damit auch mit dem Umfeld in dem man Lebt und kann nur dann auch auf andere Menschen wirken, wenn er wiederum ihrem Umfeld entspricht...

Nun ist das esotersch Gefärbte "Schamanisieren" ja meist auf die eine oder andere, fremde, ferne oder vergangene Kultur ausgerichtet, es gibt Keltischen, Indianischen, Sibirischen, Tibetischen usw Schamanismus, fein abgefasst in Books on Demand zum Geldausgeben und überlesen. Da liest man dann grosses über Kraftiere, mit denen wir nie in Kontakt kommen (z.b. dem Bison) und Pflanzen die es bei uns nicht gibt - und huptiflupti rennt man in Foren herum und erzählt davon, dass sein Krafttier ein Grizzlie sei (obwohl man wahrscheinlich im Wirklichen Leben noch nie einen Grizzlie gesehen hat)... Wenns Dicke Kommt beginnt man sich dann auch noch Indiansich zu kleiden und gibt sich entsprechende Namen die nach Schall und Rauch klingen....

Nichts gegen ein gesundes Interesse an anderen Kulturen und den Versuch diese zu verstehen und zu übernehmen, was in diesen Sinnvoll ist, so was nennt man ja Kulturaustausch und funzt ja in beide Richtungen (Wir haben nun Schamanische Trommeln, Schamanen haben nun ne Stereoanlage)... Aber dieses blosse Überstülpen einer Fremden Kultur? Was kann das bringen?

Ich mein, ich kann nichts über die Prärie erzählen, davon was es heisst einem Grizzliebär zu entfliehen, ich kenn das Nomadenleben nicht wirklich (okay, ein anderes, aber das ist was anderes Wink )... Ich denke daher nicht, dass ich ein Weltverständniss das aus einem solchen Umfeld entstammt einfach so übernehmen kann... Ich muss ja mein Umfeld reflektieren, und in Meinem Umfeld sein, Leben, Handeln... und das Umfeld hat ganz bestimmt auch eine Auswirkung auf die Bilder die das Unbewusste hervorzaubert um das Numinose komunizierbar zu machen... Aber komischerweise berichtet nie ein "Modernen, Westlicher" Schamane, dass er mit seinem Golf GTI durch die Unterwelt gedüst ist um Seelenbytes zurückzuholen, wobei ihn die Kröte/die Amsel/die Meise/die Hauskatze/die Kuh/das Huhn/ oder was auch imemr für Tiere man aus dem eigenen Umfeld kennt unterstützt hat, ich kenn keinen der mit einem Fahrstuhl in die Unterwelt flutscht, oder der, anstatt eine Trommel halt einen Drumcomputer einsetzt.

Da frag ich mich dann halt: sind diese "Schamanischen" Reisen die oft wie ein Pauschalurlaub mit Ethnobonus klingen wirklich was tiefergründiges, oder ob sie nur eine bewusste, selbst gesteuerte Imagniation sind, die ein Wunschbild projezieren?

lG

FIST, der glaubt das im Blues und im Rock´n´Roll oft mehr Schamanismus zu finden ist als in einem dicken Nachschlagewerk, genau so wie Fist glaubt, dass ein Technoclub nichts anderes ist als UNSER Tanzen ums Lagerfeuer mit dem Dj-Schamanen bounce

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till things are brighter I´m the man in black
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Morrighan

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BeitragThema: Re: Fistische Gedanken zum Schamanismus   Sa März 29, 2008 3:19 pm

Hallo FIST,

also zunächst mal:
Deshalb war Michael Harner so gerissen, den Core-Schamanismus zu entwickeln: eben weil er auch der Meinung ist, dass es wenig Sinn macht, sich eine fremde Kultur überzustülpen.
Mit dem, was im Core-Schamanismus vermittelt wird, greifst Du auf die grundlegenden Techniken zurück, die alle Schamanen - unabhängig von ihrer kulturellen Prägung - nutzen.
Wenn jemand aus unserer Kultur allerdings Jahre seines Lebens in einer anderen verbracht hat, und dort letztendlich als Schamane initiiert wurde, dann halte ich es für berechtigt, auch mit den Werkzeugen dieser für ihn ursprünglich fremden Kultur zu arbeiten.

So. Und nun noch zu einzelnen Fragen und Aspekten Deines Postings:
Zitat :
Da liest man dann grosses über Kraftiere, mit denen wir nie in Kontakt kommen ... Pflanzen die es bei uns nicht gibt...
Es ist unerheblich, ob Dein Krafttier (bzw. eins Deiner KTs, denn im Laufe Deiner Reisen werden Dich mehrere begleiten) in Deinem Kulturkreis zu finden ist, oder nicht. Im schamanischen Bewußtseinszustand reist Du durch die untere, mittlere oder obere Welt, alle sind losgelöst von Zeit und Raum so wie wir sie kennen. Somit befinden sich in der unteren Welt die Geister ALLER Tiere, bzw. um genauer zu werden: die Geister aller Ur-Rassen. Die domestizierte und gezüchtete Perserkatze ist als Krafttier nicht zu finden, wohl aber ihre Urform die Wildkatze, bzw. die anderen Wildkatzenarten wie Panther, Luchs, Löwe, etc. Du bewegst Dich also in einer Geisterwelt, die unsere kulturellen Grenzen gar nicht kennt, da der Mensch dort (außer in besagtem Bewußtseinszustand) gar nicht "existiert". Und so ist es nicht verwunderlich, dass einem auch Tiere begegnen können, die nicht im eigenen Kulturkreis zu finden sind.
Im Gegenteil: es ist sogar häufig so, dass jemand sich auf die Reise nach seinem Krafttier begibt und sich schon ziemlich sicher ist, "ich werde der Krähe begegnen, weil die mich schon immer so fasziniert haben und ich einen guten Draht dazu habe". Und was passiert? Er steht auf einmal vor einem Elefanten.
Mein Hauptbegleiter in der NAW ist im übrigen auch ein Tier, welches nicht unserem Lebensraum entstammt - und an das ich in meinem gesamten Leben nicht einen einzigen, längeren Gedanken verschwendet hatte. Die Geister suchen Dich aus - nicht umgekehrt.

Zitat :
Wenns Dicke Kommt beginnt man sich dann auch noch Indiansich zu kleiden und gibt sich entsprechende Namen die nach Schall und Rauch klingen....
Ja klar, die gibt es zur Genüge, und genau die ziehen ja das ganze auch gerne mal in Lächerliche. Aber das ist doch in der gesamten, spirituellen "Community" so: Du hast an der Gesamtsumme immer nur eine kleine Zahl derer, die was drauf haben - und die projezieren sich eben nicht in der Art und Weise nach außen. Egal, ob wir von Schamanismus, Hexerei, Magie oder ähnlichem sprechen: die, die am lautesten schreien, haben in der Regel am wenigsten drauf.

Zitat :
Aber komischerweise berichtet nie ein "Modernen, Westlicher" Schamane, dass er mit seinem Golf GTI durch die Unterwelt gedüst ist um Seelenbytes zurückzuholen, wobei ihn die Kröte/die Amsel/die Meise/die Hauskatze/die Kuh/das Huhn/ oder was auch imemr für Tiere man aus dem eigenen Umfeld kennt unterstützt hat, ich kenn keinen der mit einem Fahrstuhl in die Unterwelt flutscht, oder der, anstatt eine Trommel halt einen Drumcomputer einsetzt.
Du, letztendlich gibt es das auch. Es ist alles eine Frage, wie die NAW (Nicht Alltägliche Wirklichkeit) für Dich aussieht. Gut, den GTI nimmt dort sicherlich niemand als Fortbewegung, denn immerhin hast Du die Möglichkeit zu fliegen, rennen, schwimmen, in allen Formen und Farben. Du kannst mit Deinem Krafttier verschmelzen, Du kannst selbst eins werden und auf allen vieren wie ein Gepard rennen oder wie ein Geier durch die Lüfte schweben. Wer will da noch ein Auto? Das Beispiel mit dem Fahrstuhl ist schon praktischer. Es durchaus praktikabel, als Abstieg in die untere Welt nicht einen Brunnen, ein Erdloch, eine Baumwurzel oder Co. zu nutzen, sondern Dir einfach vorzustellen, wie Du durch den Siffon Deines Waschbeckens die Reise nach unten antrittst. Und auch ein Fahrstuhl ist nicht weniger gut oder schlecht.
Und was die Musik anbelangt: ich reise z. B. auf chilliger, elektronischer House-Musik noch viel besser als auf der schamanischen Trommel. Wobei auf Trommeln oder Rasseln reisen halt auch immer super funktioniert (vor allem als Einstieg), weil das nun mal "Urinstrumente" sind (und zwar in allen Kulturen), die sehr schnell Trance induzieren können. Nur darum gehts.

Zitat :
oder ob sie nur eine bewusste, selbst gesteuerte Imagniation sind, die ein Wunschbild projezieren?
DAS mein lieber Fist, ist der einzige, wunde Punkt an der schamanischen Reise: denn wir reden hier ja nicht von einer Volltrance oder Besessenheitstrance, wo wir nix mehr steuern können, sondern von einem "veränderten Bewußtseinszustand". Und natürlich kann ich Kraft meiner Gedanken nachhelfen, wenn ich merke, ich komme irgendwo nicht weiter. Dann kann ich durchaus denken "Menno, jetzt reichts - ich find den Durchgang nicht, also visualisiere ich mir jetzt einen, durch den gehts dann weiter". Aber ich darf das halt nicht die ganze Reise über tun. Es ist ein "Gedanken fliessen lassen", mit gelegentlichem Anschubbsen, wenn man mal die Konzentration verliert. Der schamanisch Reisende nennt das übrigens "Mindfuck": wenn er sich nicht 100% sicher ist, ob das jetzt Bilder aus dem veränderten Bewußtseinszustand waren, oder doch eher ein Wunschdenken. Aber dann wiederholt man die Reise halt, oder bittet andere das Thema für einen anzureisen.

So. Fazit also:
Spinner gibt es überall, und überall muß man die erst mal von den ernsthaft Praktizierenden trennen - was im Zweifelsfall über das Auffälligkeitsprinzip funktioniert.
Die kulturelle Prägung ist innerhalb der NAW überwiegend aufgelöst. In der AW, also dem Hier und Jetzt, ist es allerdings sicherlich klüger, sich der Dinge zu bedienen, die in die eigene Kultur transformiert werden können, und sich nicht eine fremde Kultur überzustülpen.

Und zuguter Letzt:
Zitat :
Schamanismus kann ja eigentlich nur aus einem Persönlichen Erleben schöpfen
Genau. Und deshalb: reise los. Nur, wenn Du es selbst erlebt hast, kannst Du auch daraus schöpfen - und Deine theoretischen Fragen beantworten sich praktisch von selbst. *g*

*wundgetippte Finger mit Eis kühlend*
Morrighan
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FIST
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BeitragThema: Re: Fistische Gedanken zum Schamanismus   Sa März 29, 2008 4:18 pm

Hi Morri

Zitat :
Es ist unerheblich, ob Dein Krafttier (bzw. eins Deiner KTs, denn im Laufe Deiner Reisen werden Dich mehrere begleiten) in Deinem Kulturkreis zu finden ist, oder nicht. Im schamanischen Bewußtseinszustand reist Du durch die untere, mittlere oder obere Welt, alle sind losgelöst von Zeit und Raum so wie wir sie kennen. Somit befinden sich in der unteren Welt die Geister ALLER Tiere, bzw. um genauer zu werden: die Geister aller Ur-Rassen. Die domestizierte und gezüchtete Perserkatze ist als Krafttier nicht zu finden, wohl aber ihre Urform die Wildkatze, bzw. die anderen Wildkatzenarten wie Panther, Luchs, Löwe, etc. Du bewegst Dich also in einer Geisterwelt, die unsere kulturellen Grenzen gar nicht kennt, da der Mensch dort (außer in besagtem Bewußtseinszustand) gar nicht "existiert". Und so ist es nicht verwunderlich, dass einem auch Tiere begegnen können, die nicht im eigenen Kulturkreis zu finden sind.

hm, (achtung, unbeabsichtige Selbstironie im Kontext des Threats Wink ) - also im Indianischen Schamanistischen Kontext ist es sehr wichtig, dass man sein Kraftier auch in der Realen Welt sehr genau beobachtet und von ihm Lernt - meist bekommt man ja sein Krafttier durch eine Visionssuche, die nicht nur in der Anderswelt abspielt sondern durchaus auch in der Realen Welt und man hat dann ein Krafttier gefunden, wenn man von ihm auch ein Zeichen (in der Realen Welt) kriegt, also z.b. eine Adlerfeder findet, einem Wolf Auge in Auge gegenübersteht u.ä.... und oft ist es so, dass man dann auch sein Tier in freier Wildbahn beobachtet um von seinem Verhalten zu lernen...

Zitat :
Ja klar, die gibt es zur Genüge, und genau die ziehen ja das ganze auch gerne mal in Lächerliche. Aber das ist doch in der gesamten, spirituellen "Community" so: Du hast an der Gesamtsumme immer nur eine kleine Zahl derer, die was drauf haben - und die projezieren sich eben nicht in der Art und Weise nach außen. Egal, ob wir von Schamanismus, Hexerei, Magie oder ähnlichem sprechen: die, die am lautesten schreien, haben in der Regel am wenigsten drauf.

ne is klar, es gibt auch die Tarotlegerinnen die sich dann Madam Sayananda nenen und glauben dass das ziemlich Zigeunerisch wirkt, wobei Zigeuner ja meist so exotisch klingende Namen wie: Katharina Moser, Peter Müller oder Hans Kessler haben Wink...oder die die sich dann Sri Sai Krischnatamakamalekamurikoa irgendwas nennen und glauben dadurch ihr Scheitelchakra ganz weit offen zu haben, oder die die dann nur noch Indische Musik hören, nur noch Indisch essen, nur noch Indische Kleider anhaben usw...

Zitat :
Genau. Und deshalb: reise los. Nur, wenn Du es selbst erlebt hast, kannst Du auch daraus schöpfen - und Deine theoretischen Fragen beantworten sich praktisch von selbst. *g*

Ego Philosophus est - Denken ist handeln Wink

lG

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